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Kolumne

Was ist uns unsere eigene Arbeit noch wert?

Manchmal habe ich das Gefühl, wir leben in einem Land, in dem der Preis lauter spricht als der Wert. Überall: Geiz! Sparen! Zu teuer! Alles inklusive! 30 %, 50 %, 70 %! Ein Dauerfeuer aus Rabatten, das uns glauben lässt, wir könnten Lebensqualität wie Sonderposten behandeln.

Doch irgendwann muss man sich ehrlich fragen:
Will ich eigentlich einen Gegenstand kaufen - oder will ich nur Prozente kaufen?

Der erste Schritt: Brauche ich das überhaupt?
Sparen beginnt nicht beim Rabatt, sondern beim Nicht-Kaufen. Wenn ich dem verlockenden Angebot widerstehe, bleibt das Geld in meinem Portemonnaie - ganz ohne "Deal". Und Hand aufs Herz: Die meisten "Nur heute!"-Angebote gibt es nächsten Monat wieder. Beim gleichen Händler. Mit dem gleichen roten Preisschild. Der zweite Schritt: Wer bezahlt eigentlich für meinen Rabatt? Der Handel ruft "Sonderangebot!", aber von Luft kann er nicht leben. Und seine Mitarbeiter erst recht nicht. Die wollen - wie du und ich - ein ordentliches Gehalt, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Krankenversicherung, Rente. Ein Verkäufer kann dir nichts schenken, denn er möchte selbst gut leben, eine größere Wohnung haben, ein Auto fahren, seine Familie versorgen.

Jeder Rabatt hat einen Preis - und oft zahlen ihn die Falschen.

Der dritte Schritt: Was bin ich mir wert?
Wenn die Ware für mich persönlich ist, dann geht es nicht mehr um Prozente, sondern um Selbstachtung. Was ist mir meine Lebenszeit wert? Was ist mir Qualität wert? Was ist mir mein eigener Alltag wert? Und dann kommt die Realität: meine finanzielle Lage. Erst wenn ich weiß, was ich brauche, was ich mir wünsche und was ich mir leisten kann, treffe ich eine Entscheidung, die zu mir passt - nicht zu einem Werbeplakat.

Die unbequeme Wahrheit
Luxus kann man sich nur leisten, wenn die Geldbörse es hergibt. Das tut manchmal weh, aber es ist ehrlich. Und Ehrlichkeit ist der beste Schutz vor Fehlkäufen, Schulden und dem Gefühl, ständig hinter etwas herzurennen, das man eigentlich gar nicht braucht.

Vielleicht ist es Zeit, wieder zu lernen, dass Wert nicht im Rabatt steckt, sondern im Bewusstsein. Und dass wir nur dann fair behandelt werden, wenn wir selbst fair handeln - auch beim Einkaufen.



Quelle: © albert46 / 19. Mai 2026



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